Hallo,
auch ich bin neu hier und hier gelandet, weil ich mir Infos holen möchte, da ich mich mich sehr hilflos fühle. Ich habe zwei Söhne, 13 und 14 Jahre alt. Beiden geht es nur um Computerspiele. Sie sind natürlich mitten in der Pupertät und daher ist diese Phase ja eh schon schwierig, aber durch das Computerspielen ist das "rankommen" und "dranbleiben" extrem schwierig geworden. Wichtig ist nur das Spielen. Alles andere scheinbar egal, Schule, vorherige Hobbies, Freunde. Unsere Jungs durften früher immer nur Fernsehen im Maß, dass heißt von uns zeitlich begrenzt und im Alter ansteigend. So fing es auch mit dem Computer an. Anfangs haben sie sich noch an die Zeit von einer Stunde täglich gehalten. Dann haben sie diese regelmäßig überschritten, dass wir einen Wecker zur Hilfe dazugenommen haben. Es ging damit weiter, dass sie uns angelogen haben und gespielt haben, wobei sie berichteten nicht gespielt zu haben. Zu der Zeit wurden aber auch noch Hobbies wahrgenommen. Wir haben mit Verboten reagiert und die Zeit per Kindersicherung eingestellt, d.h. der PC ging nach einer Stunde aus. Unsere Jungs zeigten sich erfindungsreich und überlisteten die Kindersicherung. Erst indem der eine bei dem einen und dann andersherum jeweils beim anderen zugeguckt hat, so dass die Zeit verdoppelt wurde. Das Ganze gipfelte irgendwann darin, dass die Computerzeit immer um einen Tag zurück eingestellt wurde, dass unendlich Zeit zur Verfügung stand, welche meißtens nachts genutzt wurde, so dass wir nicht gleich dahinter kamen. Wir haben den Router nachts ausgestellt und auch dann, wenn wir noch nicht von der Arbeit Zuhause waren. Daraufhin wurde der Router von den Jungs wieder funktionsfähig gestellt, wenn wir nicht da waren. Wir haben einen abschließbaren Schrank vor dem Router gebaut, damit sie nicht da ran kamen. Es wurden neue Computersysteme raufgespielt, bei der die Kindersicherung nicht funktionierte. Es wurden Spiele angeschafft, die nicht dem Alter entsprechend sind und von uns nicht erlaubt werden. Dazu wurden die Blätter von Büchern - ja es gab mal Zeiten da wurde gerne gelesen - kreisrund ausgeschnitten um sie für CD-Rom-Verstecke zu nutzen. Es wurden Karten gekauft um bei Internetspielen eine Menge Geld auszugeben. So dass wir schlussendlich alles gestrichen haben. Dann haben sie sich wieder mit anderen verabredet - ich habe wieder Hoffnung geschöpft, um dann wieder bemerken zu müssen, dass man bei anderen Kindern Zuhause vor dem PC sitzt um dort auch noch Spiele zu spielen, die erst aber 18 erlaubt sind. Auch über diese Freunde wurden zuvor die Spiele beschafft nicht nur geliehen, es fand sich immer jemand, dessen Eltern auch Spiele ab 18 gekauft haben - scheinbar nichtwissend, dass die Spiele auch für die Freunde der eigenen Kinder gekauft wurden. Wir haben versucht Alternativen zu bieten. Aber was ist schon toll für Pupertäre? Brettspiele, Backen, Kochen, gemeinsam mit dem Hund laufen, ja sogar Malen, Basteln - wie einst - leider nicht mehr! Die im vergangenen Sommer angeschaffte Tischtennisplatte hat sie wenigstens ein paar Mal rausgelockt, die können wir jetzt im Winter jedoch nicht nutzen. Klar fallen uns Aktivitäten ein, die wir auch immer mal wieder machen, aber - wir können es uns nicht leisten, jeden Tag Go-kart, Billard, Bowlen, Badminton, Schwimmen oder in einem Freizeitpark zu gehen. Zumal nicht alle diese Aktivitäten einen ganzen Tag ausmachen. Es hört sich traurig an - und genau das ist es auch!! Wenn geholfen wird, bsp. im Garten, Zaun streichen, Auto reinigen, Fahrräder reparieren, dann nur mit stetigem Maulen. Natürlich sehen sie sich nicht süchtig. Wie kann ich es vermitteln? Müssen sie es nicht selbst erkennen um wirklich eine Veränderung herbeizuführen? Wie einen Weg finden, wenn doch alles doof ist. Es ist nach Aussage beider, alles aber wirklich alles andere langweilig. Ich bin verzweifelt und hoffe, durch die Infos hier weiterzukommen. Als erstes habe ich mir gerade ein hier empfohlendes Buch bestellt "Spielsucht bei PC/Konsolen und Onlinegames". Vielleicht hilft es mir eher, als das gerade gelesene "warum Huckleberry nicht süchtig wurde". Alle Verbote haben bisher die Wirkung verfehlt, und dass nicht, weil sie nicht konsequent durchgeführt wurden, sondern weil es scheinbar immer Wege gibt, sie zu umgehen. Oder ich bin einfach nicht in der Lage. Aber ich kann doch nicht noch die Freunde verbieten. Selbst im Jugendtreff stehen die Konsolen. Soll die Lösung Arrest auf Ewigkeit sein??? Ich muss gestehen, ich bin ganz schön fertig, denn meine Sorgen, werden ja nicht erkannt - im Gegenteil - da ist man die bescheuerste Mutter der Welt, die so streng ist wie keine andere und schon immer alles schlecht macht und und und Ich nehme an, dass die meisten wissen, was ich meine....verzweifelte Grüße und vielen Dank, dass es Euch hier gibt!
Heroin aus der Steckdose
Hallo,
Du hast mit Deinen verzweifelten Zeilen sehr anschaulich auf den Punkt gebracht, wie es mittlerweile in den meisten Familien aussieht. Wir machen durch die unzähligen Hilferufe, die bei uns einlaufen, immer wieder die Erfahrung, dass die Kinder, die sich exzessiv und fast ausschließlich am PC beschäftigen, irgendwann überhaupt kein Interesse mehr an gar nichts haben. Alles ist langweilig, nichts reizt sie mehr. Die Erlebniswelt in den Spielen setzt einen Maßstab, der einen ständigen Kick an Abenteuer, Aufregung und Höchstleistung verspricht. Welches Alternativangebot kann dies toppen? So werden die jungen Menschen viel zu früh für das, was die reale Welt an Attraktivem und auch Entwicklungsförderndem zu bieten hat, komplett "versaut". Die z.T. hervorragende Arbeit diverser Vereine, die Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehr, der Wasserwacht und des Technischen Hilfswerkes z.B. (siehe auch "Offline-Alternativen" in unserem Netzwerk), sei es die der Sportvereine oder auch die Jugendarbeit der Kirchen, werden immer weniger wahrgenommen. Das Ehrenamt stirbt aus und die Jugendeinrichtungen bleiben leer.
Hinzu kommt, dass die "Droge" der Computerspiele überall verfügbar ist und es scheinbar ganz normal sein soll, dass Jungs im Alter von Deinen Beiden nichts anderes mehr tun. Niemand kommt auf die Idee, diesem Satz: "Da kann man ja eh nichts machen" endlich Paroli zu bieten. Dass in anderen Familien bis zur Bewusstlosigkeit gespielt wird, macht diesen einsamen Kampf nicht leichter und dass Deine Söhne bereits richtiggehende kriminelle Energien entwickeln, um an ihr Suchtmittel heran zu kommen, bestätigt unsere Aussage, dass das "Herion aus der Steckdose" auf die gleiche Stufe gestellt werden müsste wie Alkohol und Drogen.
Ich schreibe Dir gleich noch eine PN.
LG Merle
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