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 Foren zum Thema Mediensucht / Angehörigen-Forum
        19-Jähriger PC-süchtig

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Sonntag, 25.Dez 2011, 09:58

martyriona Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 25.12.2011
Hallo, ich bin neu hier.
Es ist kein Zufall, dass ich heute schreibe, denn wir haben von unserem 19-jährigen Sohn zu Weihnachten nichts gehört. Kein Anruf, keine Karte, nichts. Seit er 15 ist, hat er sich immer mehr in die PC-Welt verstrickt, aber immer in Wellen, immer so, dass es gerade noch die Grauzone war und wir nicht alarmiert genug (oder wachsam genug oder konsequent genug) waren. Was ich hier im Forum lese, haben wir auch alles erlebt: Die Nacht zum Tag machen, sehr aggressives Verhalten, wenn es um den PC ging, Absenzen in der Schule, Aufgeben von Hobbys und Freundschaften, Rückzug aus der Familie. Aber immer schleichend und schwer zu fassen. Unser Sohn spielt übrigens nicht nur, sondern bewegt sich auch sehr viel in Foren mit hartem Death Metal und HipHop. Mit sechzehneinhalb hat unser Sohn über WOW seine jetzige Freundin kennengelernt und ist, nach dem er das Abitur immerhin trotz massiver Fehlzeiten und quasi keiner Vorbereitung einigermaßen bestanden hat, sofort mit ihr zusammengezogen - 400 km von uns entfernt. Die Übergangszeit nach dem Abi haben wir finanziert, dann hat unser Sohn halbherzig einen Freiwilligendienst begonnen, diesen aber nach 8 Wochen Anfang Dezember hingeworfen, ohne uns auch nur zu informieren. Das hat dazu geführt, dass wir jetzt handeln und ihm das Geld ab Januar bis auf einen minimalen Mietzuschuss kürzen. Ab April erhält er gar nichts mehr, wenn er sich nicht bis dahin eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz besorgt hat. Wir haben aber die Befürchtung, dass er das jetzt wieder halbherzig tun wird, damit das Geld erst mal gesichert ist und er weitermachen kann wie bisher. Eine Krankheitseinsicht hat er nach unserer Wahrnehmung nicht, ist nur genervt von unserem Druck. Die Freundin hat natürlich unseren ganzen Druck wegen PC von Anfang an mitbekommen, auch, als er noch zu Hause bei uns wohnte. Sie signalisiert ihm, dass er O.K. ist und dass es ausreicht, wenn er sich irgendeinen Kassenjob sucht - so geht sie auch selbst durchs Leben, trotz Fachabitur. Die Situation ist also besonders verfahren, weil ein Ausstieg aus der Sucht sicher auch ein Ausstieg aus dieser verkorksten Beziehung wäre - und es ist ja seine 1. große Liebe. Was könnten wir bloß noch tun, außer Geld streichen? Und wie verhalten wir uns, wenn unser Sohn wieder etwas halbherzig beginnt, was wir ja gar nicht kontrollieren können? Wie verhalten wir uns andererseits, falls unser Sohn plötzlich tatsächlich vor unserer Tür steht? Wir sind wirklich rat- und hilflos und auch ziemlich mit den Nerven fertig.
Donnerstag, 29.Dez 2011, 12:03

fred Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 5
Mitglied seit: 24.09.2011
Ich bin Vater eines 23jährigen Sohnes, und habe die gleiche "Karriere" durchgemacht, wie Ihr in eurer zur Zeit geschilderten Situation.
Aus meiner Erfahrung kann ich Dir nur sagen: Es kann noch schlimmer werden....
Ich möchte euch anhand meiner Vorgehensweise schildern, wie ich mit dem "Problem" umgegangen bin bzw . umgehe, damit Ihr selber einen passenden Weg sucht.
Ja, Ich bin mit der ganzen Situation offen umgegangen, bloß nix verheimlichen, oder gar verschleiern.
Ich habe mir an mehreren Stellen, auch dieses Forum, Ratschläge geholt. Bishin zu div. Psychologen: Diakonie- Lebenshelfe, Gesundheitsamt: Psychatrischer Dienst.
Diese Gespräche haben kein Geld gekostet, aber sie haben mir alle in gewisser Weise geholfen, dass ich zwar alles erforderliche getan habe, aber wenn ein Mensch sich nicht helfen lassen will, dann muß er fallen gelassen werden.
Ihr könnt keinen Menschen ändern, nur euch selbst!

Eure Gefühle für Ihn kann ich verstehen, aber als "Angehöriger" oder Partner ist man viel zu tief emotional als Helfer verbandelt.

Ihr habt auch nur ein Leben und wollt es für einen "Süchtigen" aufgeben?

Das alles ist sehr hart,aber er muß kommen und um Hilfe bitten.Ansonsten bringt es nichts!!!!!!!!!!!



Gruß Fred
Sonntag, 1.Jan 2012, 17:54

martyriona Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 25.12.2011
Hallo Fred,

danke für deine Antwort. Was du schreibst klingt richtig, aber auch hart und resigniert. Was hast du mit deinem Sohn erlebt? Wie lebt er jetzt, da du ihn nicht mehr unterstützt? Gibt es Hoffnung?
Unser Sohn hat vor wenigen Tagen den Kontakt eigentlich endgültig zu uns abgebrochen, erst kam der freundliche Anruf, bei dem es aber eigentlich nur um Geld ging und dann der zornige, bei dem uns Bedingungen diktiert werden sollten und wir ein schlechtes Gewissen bzw. Angst vor Kontaktsperre kriegen sollten (als ob es noch echten Kontakt gäbe, wenn nicht wir ihm hinterherlaufen). Wir haben uns auf nichts mehr eingelassen, sind aber natürlich total deprimiert und in der gedanklichen Endlosschleife. Wir brauchen dringend eine Beratung für uns.
Gruß M.
Montag, 2.Jan 2012, 10:57

fred Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 5
Mitglied seit: 24.09.2011
Hallo.
Dieses alles ist in einer Mail nicht zu erfassen.Falls Interesse an dem Ablauf der Beziehung zwischen meinem Sohn und mir besteht,biete ich einen telefonischen Kontakt an,da alles andere zu komplex ist.Meine Daten schicke ich auf euer Postfach(Dieser Seite)
Gruß
Mittwoch, 11.Jan 2012, 11:30

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
Steigt aus aus diesem Spiel
Hallo martyriona,
Dein Name spiegelt das wieder, was sich momentan offenbar emotional in Deinem verletzten Inneren abspielt: Du empfindest das, was Ihr mit Eurem Sohn erlebt, als ein Martyrium. Ich kann gut nachvollziehen, in welcher Verfassung Du bist. Dennoch scheinst Du ja immer noch die Kraft aufzubringen, Dich mehr und mehr klar und mutig dem Spiel, das hier abläuft, zu verweigern. Das, was zwischen Eurem Sohn und Euch noch stattfindet, ist wahrlich nicht das, was man sich unter Kontakt zueienander vorstellt, und daher wäre ein zwischenzeitlicher Kontaktabbruch letztendlich auch keine wesentliche Veränderung. Du wirst nicht mehr erpressbar sein, wenn Du erst die Angst, Dein Kind endgültig zu verlieren, abgelegt hast. Steigt aus aus diesem Spiel. Dass Euer Sohn es erst auf freundlichem Wege versucht, telefonisch Geld von Euch zu erbetteln (u.U. garniert mit Versprechungen und Vertröstungen aller Art), um dann, wenn er sein Ziel nicht erreicht, zornige Schuldzuweisungen an Euch los zu werden und mit endgültigem Kontaktabbruch zu drohen, ist eine Endlosschleife, die die verzweifelten Eltern schachmatt macht. Zieht Euch zurück aus diesem Muster und verweigert Eure Beteiligung an diesem Vorgang. Nur eine klare Ansage, bei der die Regeln - z.B. KEINE finanzielle Unterstützung ohne aktive und dauerhafte Gegenleistung wie z.B. eine Ausbildung - fest und unverrückbar und selbstbewusst von Euch diktiert werden, macht diesem grausamen Spiel ein Ende.
Macht Euch mithilfe einer kompetenten Beratungsstelle stark und wendet Euch Eurem Leben als Partner zu. Versucht, mehr und mehr für Euch selbst zu sorgen und dem Thema Sucht nicht mehr so viel Raum in Eurem gesamten Denken zu geben. Euer Sohn hat sich momentan offenbar für diesen Weg entschieden und Ihr habt nicht die Möglichkeit, bei ihm eine Krankheitseinsicht zu erzwingen. Diese seelische Arbeit muss von ihm selbst kommen. Doch dem muss ein entscheidender Leidensdruck vorausgehen, zu dem Ihr ihm nur verhelfen könnt, wenn Ihr aufhört, ihn aufzufangen. Dass Ihr ihn liebt, weiß er, auch wenn ihn diese Erkenntnis momentan nicht erreicht. Aber er wird sich zu gegebener Zeit daran erinnern.
Falls für Euer Postleitzahlengebiet keine Beratungsstelle in unserem Netzwerk verzeichnet ist, könnt Ihr Euch gerne an uns wenden (PN). Wir können dann eine Stelle in Eurer Nähe ausfindig machen.
Ich wünsche Euch viel Kraft für einen konsequenten Weg.
Merle


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