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 Fragen im Zusammenhang mit Mediensucht / Fragen aller Art
        Eingreifen oder nicht?

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Dienstag, 10.Jan 2012, 18:16

Lissi User is offline

Benutzer Benutzer
Number of postings: 27
Member since: 2012.01.08
Hallo,
ich habe folgende Frage schon im Angehörigen Forum gestellt...bis jetzt reagiert niemand, vielleicht bin ich dort falsch?
Ich bin mir nur sehr unsicher ob ich mich meinem Sohn gegenüber richtig oder falsch verhalte,() wenn man das überhaupt sagen kann? Aber es gibt doch Erfahrungen....). Mein Sohn ist 18, spielt täglich 8-10 Std. am Computer und das seit gut einem 1/2 Jahr, vorher hat er aber auch schon 4-6 Std. seit ca. 3 Jahren gezockt. Seine Schullaufbahn ist sehr schlecht, obwohl er ein klares berufliches Ziel hat. Die Zockerei hat ihn aber so stark im Griff, dass es ihm sehr schwer fällt, etwas anderes zu tun. Er ist auch sehr genervt, ich kann mit ihm nicht normal reden. Er findet es natürlich blöd, wenn ich immer wieder seine Sachen wegnehme...(bin auch nicht konsequent, das ist der Fehler) und behauptet, dass er sich jetzt nach den Weihnachtsferien total ändern wird.

Ich bin mir einfach unsicher was ich machen soll, eingreifen oder nicht?
Mittwoch, 17.Okt 2012, 14:14

Rutert User is offline

Benutzer
Number of postings: 2
Member since: 2012.10.17
Lissi gestellte Frage
Hallo Lissi, es ist eine langer Weg bis zur Sucht. Als Berater und Coach stelle ich immer wieder fest, dass dauernd von einer Spielesucht gesprochen wird.
Ich grenze zwischen einer Sucht und einem Hobby sehr deutlich ab. Bei deiner Beschreibung kann man eher schon von einer Sucht ausgehen.

Spielsüchtige sehen sich grundsätzlich nicht als Süchtige an. Sie bezeichnen sich vor ihrem ersten Kontakt mit mir und auch vor anderen als €moralisch schwach€™ oder €schlecht€™ (ein gestörtes Selbstwertgefühlt ist vorhanden). Ich beobachte immer wieder, dass der Klient sich hier jedoch verstrickt, aus dem leidvollen Zwiespalt einerseits keine Verantwortung für seine Schritte zu übernehmen, anderseits sich durch die Entscheidungen der beteiligten Bezugspersonen bzw. Institutionen bevormundet zu fühlen (sofern er welche hat) in einem beginnenden Machtkampf.
Er neigt zur Verweigerung von Kommunikation sowie jeglicher Mitarbeit, bei starker innerlicher Anspannung. Der Klient hat Schwierigkeiten, sich alltäglichen, auch altersüblichen sozialen Kontakte anzuschließen, dort in altersgemäßer Weise individuell aktiv zu sein, diesbezgl. massive Probleme insofern, dass der Klient dazu neigt, sich eher in seine Wohnung zurückzuziehen, wo dann wohl auch schwerwiegend zu bezeichnende soziale Inaktivität vorhanden ist. (Das gilt gleichermaßen auch für erwachsene Spieler)
Es ist in den Gesprächen deutlich darstellbar, dass hinsichtlich des Fühlens, Wollen und Handelns die Übereinstimmungen verloren gehen. Im Computer spielen bedeutet immer, sich teilweise aus seiner persönlichen Geschichte zu lösen. Der Klient ist sich nicht mehr er selbst.
Sollten alle Bemühungen außerhalb einer stationären Unterbringung gescheitert sein (durch Therapeuten, Berater etc.), so müssen weitere Schritte gegangen werden. Bei einer Zeitüberschreitung von mehr als einem Jahr und erfolglosen Therapien halte ich es bei dieser Personengruppe für erforderlich, dass diese in einer stationären Unterbringung (Akutbehandlung) mit entsprechenden Menschen, Therapeuten, die den Klienten wieder ins reale Leben integrieren, untergebracht werden. Ziel dieser Unterbringung muss sein, den Klienten auch ein möglichst selbstständiges Leben mit eigenen Einkommen in Zukunft außerhalb einer Einrichtung zu ermöglichen.

Mit wenigen Worten: Du solltest handeln und tätig werden..

Viel Erfolg





Samstag, 2.Feb 2013, 09:51

Lissi User is offline

Benutzer Benutzer
Topic starter
Number of postings: 27
Member since: 2012.01.08
Hallo,
es ist unglaublich, erst jetzt habe ich deinen Text an mich entdeckt...vielen Dank!
Ich habe vor einigen Tagen unter "Angehörige" geschrieben, wie es mittlerweile
bei uns aussieht...

Habe auch schon im Internet recherchiert und gefunden, dass in der Uni Klinik Tübingen
Computerabhängigen Therapien angeboten werden....obwohl eine psychol. Beraterin meinte,
mein Sohn sollte eher eine analytische Therapie machen, was ich aber nicht gut finde.
Meiner Meinung muss er lernen, sein " Verhalten" zu verändern.
Aber man weiß so viel, es gibt so viele gute Wege...wenn er nicht bereit ist einen anderen
Weg zu gehen...was dann? Ich weiß, dann muss man ihn in sein Verderben fallen lassen
aber die Hoffnung nicht aufgeben.

Liebe Grüße, Lissi
Montag, 16.Dez 2013, 19:11

Hugo99 User is offline

Benutzer
Number of postings: 1
Member since: 2013.12.16
Therapie bei PC-Sucht - wie angehen?
Hallo Rutert,

unser Sohn wird im Mai 24 und - wie bei Lissi - denken auch wir, dass er computersüchtig ist. Er hat sein Studium abgebrochen, weil er meinte, er schafft es nicht, weil ihm die festen Strukturen fehlen und er wollte lieber eine Lehrstelle suchen. Das haben wir schweren Herzens zulassen müssen, aber nun sucht er nicht wirklich, sondern verschanzt sich in seiner Wohnung und bezieht Harz 4, weicht Fragen aus, will alles alleine klären, und will von uns nicht Hilfe annehmen. Und er kommt einfach nicht in die Spur, um es mal so zu sagen. Er scheint auch morgens nicht aus dem Bett zu kommen, schläft ewig und verpasst Termine, was er uns aber nicht sagen will. Vermutlich kommt er nachts nicht ins Bett. Vor 3 Wochen waren wir ihn kurz besuchen und da habe ich zufällig, weil was auf der Erde neben dem WC was lag, entdeckt, dass unter seinem Unterschränkchen eine Erwachsenenpampas lag (versteckt). Da bin ich völlig verunsichert und denke schon, dass da was nicht stimmt. Kontakte nach außen hat er wenige, nur zwei von seinen "alten" Freunden (Klassenkameraden) die ihr Leben selbst nicht auf die Reihe kriegen. Er erweckt auf uns und andere den Eindruck eines arroganten Einzelgängers, schon längere Zeit. Das fing in seiner Teenizeit an. Der lange Rede Sinn ist der, das wir denken, dass er computersüchtig ist; die Beschreibung von Lissi trifft auch bei unserem Sohn ziemlich ins Schwarze. Aber, wie kann man einen jungen Erwachsenen zu einer Therapie bringen, von der wir denken, dass er sie dringend bräuchte? Wir haben grundsätzlich noch ein gutes Verhältnis zu ihm und denken, dass wir ihn noch erreichen können, wenn gleich auch dasselbe belastet ist durch die Auswirkungen seiner Computersucht und sein Denken, dass wir ihn dafür kritisieren. Was würdest du uns raten?
Dienstag, 17.Dez 2013, 13:29

Rutert User is offline

Benutzer
Number of postings: 2
Member since: 2012.10.17
Anfrage Hugo99
Am 17.10.2012 habe ich Lissi kurz geschrieben. Bitte lesen.

Dennoch kurz eine Stellungnahme wie folgt:

Es ist äusserst schwierig hier einen Rat zu geben. Der erste Eindruck ist, dass ein ueberdurchschnittliches Spielverhalten vorliegt. Aus diesem Beitrag lässt sich eine Sucht erahnen. Doch eine Abgrenzung zwischen einem Hobbyspieler und Suchtspieler ist zunächst zu ergründen. Es ist wichtig die betreffe Person zu einem Gespraech zu einigen Sitzungen zu bekommen um sich ein Bild machen zu können. Zu viele junge und auch aelter Menschen werden zu schnell als Spielsuechtig ohne zu wissen wann und wo es anfängt abgestempelt. Die anfänglichen Verhaltensweisen sind sehr ähnlich und verändern sich deutlich in der Phase des Suchtverhalten. Auch stellt sich die Frage in wie weit er einsichtig ist, weiss er von seiner angeblichen Sucht? Wie reagiert er auf eine Therapie wenn Sie ihn ansprechen. So ergeben sich viele Fragen das sich nur mit ihm in Gespraechen klaeren lässt (Entwicklung, Kind, Jugendlicher Familie etc....). Sollte jedoch eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen so muss umgehend gehandelt werden (Einweisung nach PsychKG) Viel Erfolg....

Herzliche Gruesse
Frank Rutert
Samstag, 21.Dez 2013, 20:16

merle User is offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Number of postings: 811
Member since: 2009.06.12
Hallo Hugo 99,

das, was du über euren Sohn berichtest, sind die ganz typischen Symptome, die alle von Computerspielsucht Betroffenen zeigen. Ich denke hier besteht kein Zweifel, dass euer Sohn abhängig ist. Dass Exzessivspieler beim Raiden Windeln tragen ist keine Seltenheit. In manchen Fällen wird auch in Flaschen gepinkelt oder es steht ein 10 Liter Eimer unter dem Schreibtisch. Dies ist leider kein Klischee sondern traurige Wirklichkeit. So brauchen die Spieler ihre PC-Sitzung nicht zu unterbrechen und können unbesorgt Stunde um Stunde zocken.

Wir stellen immer wieder fest, wie identisch die Verhaltensweisen der Abhängigen sind und wie sehr sich die Abwärtsspirale, in die sie geraten, ähnelt. Die Ausbildung wird abgebrochen, Versprechen, sich eine neue Stelle oder einen Job zu suchen, werden gebrochen, sie schlafen bis weit in den Nachmittag hinein, ziehen sich völlig zurück, vernachlässigen ihre Umgebung (auch Post, „mtergänge, Fristsetzungen etc.), achten nicht mehr auf ihr „ußeres und blocken jedes Gespräch zu diesem heiklen Thema ab.

Ihr werdet euren Sohn nicht zu einer Therapie zwingen können. Kein Therapeut und keine Klinik wird mit einem Klienten, der nicht aus freien Stücken kommt, erfolgreich arbeiten können. Meist fehlt den Betroffenen über einen langen Zeitraum die Krankheitseinsicht. Sie brauchen lediglich ihr Suchtmittel (den PC) und sind für Argumente nicht zugänglich. Dass euer Sohn dringend Hilfe braucht, wird ihm noch nicht bewusst sein. Erst wenn sein Leben vollends aus den Fugen gerät, wird er die Kraft finden, eine Veränderung zu wollen und entsprechende Schritte zu unternehmen. Dies kann sehr lange dauern. Ihr könnt ihm dies nicht abnehmen, so schwer das auch fällt. Wichtig wäre, dass ihr euren Sohn nicht weiter finanziell unterstützt, sonst sorgt ihr dafür, dass es ihm letzlich an nichts fehlt. Sein Leidensdruck muss so groß sein, dass ihm bewusst wird, dass er so nicht weiter machen kann. Wenn ihr ihn an dieser Erfahrung hindert, kann sich seine Abhängigkeit über Jahre hinziehen. Gebt ihm die Verantwortung für sein Leben und auch die Konsequenzen, die daraus entstehen. So gebt ihr ihm die Chance, zu begreifen, was mit ihm los ist.

Ich wünsche euch viel Kraft.

Herzlichst, Merle


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